Ulrich Christenn

Bei uns gehört zum Heiligen Abend vormittags immer ein Besuch im Zoo. Angefangen hat alles, weil meine Ur-Großmutter erzählte, dass am Hl. Abend die Tiere sprechen könnten. Als Student bin ich erst allein in den Zoo gegangen, um dem familiären Trubel zu entkommen. Nach und nach kamen meine spätere Frau, Freunde und Kinder dazu.
In den mehr als zwei Jahrzehnten Zoo-Besuche am Hl. Abend habe ich gesellschaftliche Veränderungen beobachtet: Anfangs waren fast nur Großeltern oder Väter mit kleinen Kindern unterwegs und kaum Frauen zu sehen. Mittlerweile sind es mehr und mehr junge Familien mit allen Generationen und Mütter wie Väter.
Die ruhigen Stunden im Zoo, natürlich mit Besuchen bei Ochs und Esel, stimmen uns alle aufs Fest ein. Kein Kaufrausch in der letzte Minute und kein Stress am Herd. Es bleibt genug Zeit für eine Suppe zum Mittag und zum Krippenspiel-Gottesdienst am späten Nachmittag.
Nur sprechende Tiere habe ich leider am Hl. Abend immer noch nicht gehört.

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