„Es begab sich aber zu der Zeit, ...

... dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.“ Wohl jeder hat die Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas schon einmal gehört. Sie handelt von der Geburt Jesu, mit der vor zwei Jahrtausenden unsere Zeitrechnung begann. Was die Bibel über die Geburt im Stall zu Bethlehem berichtet – und ob es überhaupt Bethlehem war –, erläutert diese Grafik.

Von Volker A. Lehnert (Text) und Benedikt Grotjahn (Grafik)

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Engel

Engel erscheinen in der Bibel immer dann, wenn sich Himmel und Erde berühren, wenn Gott den Menschen nahekommt. Wenn’s wirklich wichtig wird, schickt er ihnen seine Boten – meist unübersehbar und ziemlich erschreckend. Deshalb beruhigt der Weihnachtsengel direkt: „Fürchtet euch nicht!“

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Stern

Der Stern ist ein uraltes Symbol für die Ankunft des Messias, des Retters. Der Messias wird ein König sein. Die Astrologen sprechen vom „neugeborenen König der Juden“. Der Messias relativiert den Machtanspruch der weltlichen Herrscher. Das bringt Herodes, den Statthalter Roms in der Region, in Rage und auf den Plan. Er wittert Machtverlust und organisiert sofort die Verfolgung. Totalitäre Regime ticken so – bis heute.

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Rom

Die Römer beherrschen zur Zeit Jesu den gesamten Mittelmeerraum. Wer sich unterwirft und die Fremdherrschaft anerkennt, bekommt Schutz und Religionsfreiheit – so geht römischer Friede. Lediglich das Opfer für den göttlichen Kaiser muss dargebracht werden, um die römischen Götter wohlgesonnen zu halten. Für das jüdische Volk stehen der Kaiserkult und der römische Vielgötterglaube jedoch im Widerspruch zu ihrem Glauben an einen einzigen Gott. Der erwachsene Jesus wird als Wanderprediger die Herrschaft des Gottes Israels verkündigen und damit den römischen Machtanspruch ablehnen.

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Bethlehem

Bethlehem ist ein unbedeutendes Nest. Aber: David, legendärer König Israels, aus dessen Nachkommenschaft der Messias erwartet wird, stammte von dort. Entsprechend sagt der Prophet Micha: „Bethlehem, aus dir soll kommen, der in Israel Herr sei.“ Jesu Familie kommt aber aus Nazareth. In der Erzählung von der Volkszählung und dem Aufbruch Josefs und Marias nach Bethlehem werden realer Wohnort und prophetische Verheißung synchronisiert: So wird der Messias in Bethlehem, der Stadt Davids, geboren.

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Ochse und Esel

Sie kommen in den Weihnachtsgeschichten der Bibel gar nicht vor. Erst die Kunstgeschichte fügt sie ein, weil es beim biblischen Propheten Jesaja heißt: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn.“ Kluge Tiere mit beinah kabarettistischen Zügen: Wenn schon sie erkennen, wer da in der Krippe liegt, um wie viel mehr müssten Menschen es tun!

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Jesus

Jesus wird in einem Stall geboren und in eine Krippe gelegt, einen Futtertrog fürs Vieh. So erzählt es das Weihnachtsevangelium nach Lukas. Der versteht die Geburt Jesu als Besuch Gottes auf Erden. Christen bekennen das bis heute und feiern es im Weihnachtsfest: In Jesus kommt Gott selbst als Mensch zur Welt. Aus dem Kind in der Krippe wird ein Zimmermann und schließlich ein Wanderprediger, der nicht nur von der Liebe Gottes erzählt, sondern sie auch lebt. Am Ende wird er zum Tod am Kreuz verurteilt und stirbt. Doch Gott weckt ihn von den Toten wieder auf. Aber das ist eine andere Geschichte – nämlich die von Ostern.

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Maria

Ein Mädchen um die 15 Jahre, mit Josef verlobt und schwanger – aber nicht von ihm. Die Evangelisten Lukas und Matthäus erzählen, dass Maria jungfräulich war und die Zeugung ihres Kindes direkt durch Gottes Geist geschah. Dahinter steckt altorientalische Symbolik. So konnte einem ägyptischen Pharao-Kandidaten sein Amt nur dann übertragen werden, wenn er als ein von einer Frau geborener Mensch einen Gott zum Vater hatte. Nur dann kam ihm die Autorität des Herrschers zu. Die biblischen Erzähler nutzen dieses damals bekannte Motiv, um darzustellen, wer Jesus in ihren Augen ist: der Herr dieser Welt.

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Josef

Josef muss annehmen, dass seine Verlobte von einem Anderen schwanger ist. Aber er hält zu ihr. Ganz großes Kino: Liebe, die sich in unbedingter Treue zeigt und selbst Beschämung erträgt. Der Zimmermann wird später für seine Familie sorgen und seinen Sohn Jesus zum Bauhandwerker ausbilden. Eine Patchworkfamilie der besonderen Art.

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Hirten

Sie sind die Außenseiter der damaligen Gesellschaft: nicht sonderlich angesehen und mit einem harten, mies bezahlten Job. Dass der Engel ausgerechnet ihnen die Geburt des Retters zuerst ankündigt, ist ein Clou der Erzählung. Hoffnung für die Hoffnungslosen: Das verbindet der Evangelist Lukas mit der Geburt im Stall. Die Botschaft trägt bis heute.

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Herodes

Der König in Judäa gilt als Freund und Bundesgenosse Roms. Das macht Herodes bei seinen Leuten verhasst. Der Glaube Israels ist allein Gott verpflichtet. Die römische Besatzung zur Zeit Jesu ist der Bevölkerung daher zuwider. Vom Messias erhofft man sich die Befreiung. Damit ist klar: Die Weihnachtsgeschichte steht in einem hochpolitischen Kontext. Es geht um Macht. Es geht darum, wer der wahre Herr ist: der Gott Israels, der in Jesus sein Volk besucht, und nicht der römische Kaiser.

drei koenige respo

Drei Weise aus dem Morgenland

Die drei Reisenden aus dem Morgenland, Astrologen aus Persien oder Babylonien, sind den Hirten an der Krippe nie begegnet – sie stammen schlicht aus unterschiedlichen Texten der Bibel. Die Erzählung von den Astrologen erinnert an eine biblische Weissagung, nach der Heiden, also Nicht-Israeliten, zum erwarteten Retter des Volkes Israel ziehen werden. Der Prophet Jesaja spricht von Königen, und daher werden die Astrologen im Laufe der Zeit ebenfalls zu Königen – zu den Heiligen Drei Königen.

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Gold, Weihrauch und Myrrhe

Es sind kostbare Geschenke, die die Astrologen dem neugeborenen Kind mitbringen. Denn, geleitet durch den Stern, erwarten sie, dass sie am Reiseziel auf einen König treffen. Und weil’s drei Geschenke sind, müssen es wohl drei Männer aus dem Morgenland sein.

Stall

Stall? Herbergsraum einer Karawanserei? Höhle? Was immer die Notschlafstelle für Maria und Josef war: Gemessen an der Würde des Gastes – Gott selbst kommt zur Welt – ist ein Stall als Herberge wirklich despektierlich. Doch Gott ist nicht wählerisch: Er macht sich klein.

Stall

Stall? Herbergsraum einer Karawanserei? Höhle? Was immer die Notschlafstelle für Maria und Josef war: Gemessen an der Würde des Gastes – Gott selbst kommt zur Welt – ist ein Stall als Herberge wirklich despektierlich. Doch Gott ist nicht wählerisch: Er macht sich klein.

Stall

Stall? Herbergsraum einer Karawanserei? Höhle? Was immer die Notschlafstelle für Maria und Josef war: Gemessen an der Würde des Gastes – Gott selbst kommt zur Welt – ist ein Stall als Herberge wirklich despektierlich. Doch Gott ist nicht wählerisch: Er macht sich klein.

Stall

Stall? Herbergsraum einer Karawanserei? Höhle? Was immer die Notschlafstelle für Maria und Josef war: Gemessen an der Würde des Gastes – Gott selbst kommt zur Welt – ist ein Stall als Herberge wirklich despektierlich. Doch Gott ist nicht wählerisch: Er macht sich klein.

Stall

Stall? Herbergsraum einer Karawanserei? Höhle? Was immer die Notschlafstelle für Maria und Josef war: Gemessen an der Würde des Gastes – Gott selbst kommt zur Welt – ist ein Stall als Herberge wirklich despektierlich. Doch Gott ist nicht wählerisch: Er macht sich klein.

„Es begab sich aber zu der Zeit, ...

... dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.“ Wohl jeder hat die Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas schon einmal gehört. Sie handelt von der Geburt Jesu, mit der vor zwei Jahrtausenden unsere Zeitrechnung begann. Was die Bibel über die Geburt im Stall zu Bethlehem berichtet – und ob es überhaupt Bethlehem war –, erläutert diese Grafik.

Von Volker A. Lehnert (Text) und Benedikt Grotjahn (Grafik)


Stern

Der Stern ist ein uraltes Symbol für die Ankunft des Messias, des Retters. Der Messias wird ein König sein. Die Astrologen sprechen vom „neugeborenen König der Juden“. Der Messias relativiert den Machtanspruch der weltlichen Herrscher. Das bringt Herodes, den Statthalter Roms in der Region, in Rage und auf den Plan. Er wittert Machtverlust und organisiert sofort die Verfolgung. Totalitäre Regime ticken so – bis heute.


Engel

Engel erscheinen in der Bibel immer dann, wenn sich Himmel und Erde berühren, wenn Gott den Menschen nahekommt. Wenn’s wirklich wichtig wird, schickt er ihnen seine Boten – meist unübersehbar und ziemlich erschreckend. Deshalb beruhigt der Weihnachtsengel direkt: „Fürchtet euch nicht!“

hirten
Hirten

Sie sind die Außenseiter der damaligen Gesellschaft: nicht sonderlich angesehen und mit einem harten, mies bezahlten Job. Dass der Engel ausgerechnet ihnen die Geburt des Retters zuerst ankündigt, ist ein Clou der Erzählung. Hoffnung für die Hoffnungslosen: Das verbindet der Evangelist Lukas mit der Geburt im Stall. Die Botschaft trägt bis heute.


Maria

Ein Mädchen um die 15 Jahre, mit Josef verlobt und schwanger – aber nicht von ihm. Die Evangelisten Lukas und Matthäus erzählen, dass Maria jungfräulich war und die Zeugung ihres Kindes direkt durch Gottes Geist geschah. Dahinter steckt altorientalische Symbolik. So konnte einem ägyptischen Pharao-Kandidaten sein Amt nur dann übertragen werden, wenn er als ein von einer Frau geborener Mensch einen Gott zum Vater hatte. Nur dann kam ihm die Autorität des Herrschers zu. Die biblischen Erzähler nutzen dieses damals bekannte Motiv, um darzustellen, wer Jesus in ihren Augen ist: der Herr dieser Welt.


Josef

Josef muss annehmen, dass seine Verlobte von einem Anderen schwanger ist. Aber er hält zu ihr. Ganz großes Kino: Liebe, die sich in unbedingter Treue zeigt und selbst Beschämung erträgt. Der Zimmermann wird später für seine Familie sorgen und seinen Sohn Jesus zum Bauhandwerker ausbilden. Eine Patchworkfamilie der besonderen Art.


Jesus

Jesus wird in einem Stall geboren und in eine Krippe gelegt, einen Futtertrog fürs Vieh. So erzählt es das Weihnachtsevangelium nach Lukas. Der versteht die Geburt Jesu als Besuch Gottes auf Erden. Christen bekennen das bis heute und feiern es im Weihnachtsfest: In Jesus kommt Gott selbst als Mensch zur Welt. Aus dem Kind in der Krippe wird ein Zimmermann und schließlich ein Wanderprediger, der nicht nur von der Liebe Gottes erzählt, sondern sie auch lebt. Am Ende wird er zum Tod am Kreuz verurteilt und stirbt. Doch Gott weckt ihn von den Toten wieder auf. Aber das ist eine andere Geschichte – nämlich die von Ostern.


Ochse und Esel

Sie kommen in den Weihnachtsgeschichten der Bibel gar nicht vor. Erst die Kunstgeschichte fügt sie ein, weil es beim biblischen Propheten Jesaja heißt: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn.“ Kluge Tiere mit beinah kabarettistischen Zügen: Wenn schon sie erkennen, wer da in der Krippe liegt, um wie viel mehr müssten Menschen es tun!


Drei Weise aus dem Morgenland

Die drei Reisenden aus dem Morgenland, Astrologen aus Persien oder Babylonien, sind den Hirten an der Krippe nie begegnet – sie stammen schlicht aus unterschiedlichen Texten der Bibel. Die Erzählung von den Astrologen erinnert an eine biblische Weissagung, nach der Heiden, also Nicht-Israeliten, zum erwarteten Retter des Volkes Israel ziehen werden. Der Prophet Jesaja spricht von Königen, und daher werden die Astrologen im Laufe der Zeit ebenfalls zu Königen – zu den Heiligen Drei Königen.


Gold, Weihrauch und Myrre

Es sind kostbare Geschenke, die die Astrologen dem neugeborenen Kind mitbringen. Denn, geleitet durch den Stern, erwarten sie, dass sie am Reiseziel auf einen König treffen. Und weil’s drei Geschenke sind, müssen es wohl drei Männer aus dem Morgenland sein.


Rom

Die Römer beherrschen zur Zeit Jesu  den gesamten Mittelmeerraum. Wer sich unterwirft und die Fremdherrschaft anerkennt, bekommt Schutz und Religionsfreiheit – so geht römischer Friede. Lediglich das Opfer für den göttlichen Kaiser muss dargebracht werden, um die römischen Götter wohlgesonnen zu halten. Für das jüdische Volk stehen der Kaiserkult und der römische Vielgötterglaube jedoch im Widerspruch zu ihrem Glauben an einen einzigen Gott. Der erwachsene Jesus wird als Wanderprediger die Herrschaft des Gottes Israels verkündigen und damit den römischen Machtanspruch ablehnen.


Herodes

Der König in Judäa gilt als Freund und Bundesgenosse Roms. Das macht Herodes bei seinen Leuten verhasst. Der Glaube Israels ist allein Gott verpflichtet. Die römische Besatzung zur Zeit Jesu ist der Bevölkerung daher zuwider. Vom Messias erhofft man sich die Befreiung. Damit ist klar: Die Weihnachtsgeschichte steht in einem hochpolitischen Kontext. Es geht um Macht. Es geht darum, wer der wahre Herr ist: der Gott Israels, der in Jesus sein Volk besucht, und nicht der römische Kaiser.


Bethlehem

Bethlehem ist ein unbedeutendes Nest. Aber: David, legendärer König Israels, aus dessen Nachkommenschaft der Messias erwartet wird, stammte von dort. Entsprechend sagt der Prophet Micha: „Bethlehem, aus dir soll kommen, der in Israel Herr sei.“ Jesu Familie kommt aber aus Nazareth. In der Erzählung von der Volkszählung und dem Aufbruch Josefs und Marias nach Bethlehem werden realer Wohnort und prophetische Verheißung synchronisiert: So wird der Messias in Bethlehem, der Stadt Davids, geboren.


Stall

Stall? Herbergsraum einer Karawanserei? Höhle? Was immer die Notschlafstelle für Maria und Josef war: Gemessen an der Würde des Gastes – Gott selbst kommt zur Welt – ist ein Stall als Herberge wirklich despektierlich. Doch Gott ist nicht wählerisch: Er macht sich klein.

Adventskalender

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Bild von https://www.anderezeiten.de/

„Der Andere Advent“

Advent ist eine Zeit der Besinnung. Weil die immer mehr Menschen in der Hektik des Alltags aus den Augen verlieren, gibt es seit 1994 den alternativen Adventskalender „Der Andere Advent“. Vom 28. November bis 6. Januar lädt er in diesem Jahr mit Texten und Bildern dazu ein, für einige Minuten am Tag „den Blick auf den Advent zu verändern“, sagt Chefredakteur Dr. Frank Hofmann: „Denn oft zeigt sich aus einer neuen Sichtweise ein überraschendes Mehr im Alltäglichen.“ Am Nikolaustag erhalten die Leserinnen und Leser zudem ein Geschenk. Der Kalender ist auch in Blindenschrift erhältlich. Herausgegeben wird er vom ökumenischen Verein Andere Zeiten. Der Kalender kostet 8 Euro plus Versandkosten und ist über die Internetseite www.anderezeiten.de zu bestellen.

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CC0 Creative Commons, freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis nötig(kakuko/Pixabay)

Spekulatius

Wenn der Heilige Nikolaus gewusst hätte, dass sein Bild einmal in den Supermärkten unter einer Überfülle von Schoko-Nikoläusen und anderen Süßwaren zum Verkauf angeboten wird, dürfte ihm manch deutliche Fastenpredigt an die Nachgeboren in den Sinn gekommen sein. Weil er viele gute Dinge getan hat, haben die Menschen die Geschichte des Bischofs auf Teig geprägt und als Spekulatius zum Nikolaustag verschenkt und gegessen. Traditionell ziert deshalb ein Bild des Nikolaus das beliebte Gebäck. Die Bezeichnung „Spekulatius“ stammt vermutlich vom lateinischen Wort für „Abbild“ oder „Spiegel“ – „speculum“ – und wanderte als Bezeichnung für das Gebäck über das niederländische „Sepculaas“ ins Deutsche. Längst schmücken heute auch andere Motive dieses Backwerk, mit denen die Supermarktketten Jahr für Jahr die Adventszeit einläuten, wenn Grillgeräte und Gartenfeste noch spätsommerliche Stimmung verbreiten.

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© epd-bild / Wolfgang Schmidt

„Es kommt ein Schiff geladen“

Eines der ältesten deutschen Adventslieder ist „Es kommt ein Schiff geladen“. Der Mystiker Johannes Tauler soll es geschrieben haben. Er lebte im 14. Jahrhundert in Straßburg. Andere Quellen sagen, das Lied stamme aus dem 15. Jahrhundert. In der mittelalterlichen Symbolik steht das Schiff für die schwangere Maria, die Gottes Sohn in die Welt trägt. Der evangelische Pfarrer Daniel Sundermann druckte den Text 1626 in seinem „Straßburger Gesangbuch“ ab. Dabei gab er dem ursprünglichen Marienlied seinen heutigen weihnachtlichen Bezug. Er dichtete drei Strophen über Christi Geburt in Bethlehem hinzu.

Es kommt ein Schiff geladen zum Mitsingen

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© epd-bild / Andrea Enderlein

Adventskranz

Es begann mit einem hölzernen Wagenrad, auf dem vier große weiße Kerzen und 20 kleine rote Lichter befestigt waren. Der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern ließ es am 1. Advent 1839 in seinem Heim für Straßenkinder, dem Rauhen Haus in Hamburg, aufhängen. Das Rad mit den Kerzen sollte das Warten auf Weihnachten verkürzen. Für jeden Wochentag bis Weihnachten wurde eine rote Kerze angezündet, an jedem Adventssonntag eine weiße. So sollte es Tag für Tag bis zum Fest der Geburt Jesu, den die Bibel das Licht der Welt nennt, ein wenig heller und wärmer werden in der Welt der Kinder. Später, ab 1860, schmückte man den hölzernen Kranz zusätzlich mit Tannengrün als Zeichen der Hoffnung und des Lebens. Heute gehört der Adventskranz fest zur Vorweihnachtszeit. Es gibt ihn in allen Farben und Dekors – aber nur noch mit den vier Sonntags-Kerzen. Im Rauhen Haus und im Hamburger Michel jedoch wird auch heute noch der große Adventskranz mit seinen vielen Kerzen angebracht.

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© epd-bild / Friedrich Stark

Weihnachtsmärkte

In der Vorweihnachtszeit geben Menschen eher Geld für schöne Dinge aus als zu anderen Zeiten im Jahr. Das wussten schon die Händler im Mittelalter und baten um Erlaubnis, im Advent in der Nähe einer Kirche Spielzeug und Backwerk feilzubieten. Sie durften, und so entstanden die Vorläufer der Weihnachtsmärkte. Seit dem 17. Jahrhundert breiteten sich diese Märkte aus, zunächst in protestantischen, später auch in katholischen Gegenden. Heute erfreuen sie sich allgemeiner Beliebtheit – trotz Popmusik, Glühwein und Gedränge. Oder gerade deshalb. Der Nürnberger Christkindlesmarkt ist einer der bekanntesten weltweit. Den größten Zulauf in Deutschland hat aber der Kölner Weihnachtsmarkt. Es soll sich zugleich um den ältesten im Rheinland handeln, 1820 wird er erstmals erwähnt.

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© epd-bild/Judith Michaelis

Nikolaus

Wo wohnt eigentlich der Nikolaus? Am Nordpol bei den Rentieren, hohoho! Nein, das ist der Weihnachtsmann, den die US-amerikanische Werbebranche populär gemacht hat. Der Nikolaus wohnt im Saarland, in dem kleinen Dorf St. Nikolaus an der deutsch-französischen Grenze – wenn man seinen rund 800 Einwohnerinnen und Einwohnern glauben darf. Dort hat er auch sein Postamt. Jedes Jahr in der Adventszeit beantwortet es tausende Briefe, die Kinder aus aller Welt geschrieben haben. Der richtige Nikolaus trägt eine Bischofsmütze, einen violetten Umhang sowie den Bischofsstab und reitet auf einem Pferd. Jedes Jahr am 5. und 6. Dezember beschert er beim traditionellen Umzug im saarländischen St. Nikolaus die Kinder mit einer Tüte Süßigkeiten. Vorbild für St. Nikolaus ist vermutlich Bischof Nikolaus von Myra, der im 4. Jahrhundert im kleinasiatischen Lykien lebte – heute ein Teil der Türkei. Der Legende nach half er den Armen und kümmerte sich besonders um die Kinder. Da er an einem 6. Dezember gestorben sein soll, feiern wir heute den 6. Dezember als Nikolaustag. Der Brauch der Nikolausbescherung entstand im Mittelalter. Der Siegeszug des Weihnachtsmanns begann dagegen erst im 19. Jahrhundert, als sich Weihnachten zu dem Familienfest entwickelte, wie wir es heute kennen. Die Postadresse des Heiligen Nikolaus lautet: An den Nikolaus, 66351 St. Nikolaus. Er beantwortet nur Briefe, keine E-Mails oder SMS. Aber er hat immerhin eine Internet-Adresse: sankt-nikolaus-warndt.de

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Barbaratag (4. Dezember)

Am 4. Dezember der Tag der Heiligen Barbara. So sagt es der katholische Heiligenkalender. Zweige, die an diesem Tag von Obstbäumen abgeschnitten und ins warme Wasser gestellt werden, erblühen an Heiligabend. Die blühenden Barbarazweige mitten im Winter symbolisieren das Wunder der Heiligen Nacht. Der Brauch geht zurück auf die Legende von der heiligen Barbara. Die Tochter eines reichen Kaufmanns lebte im 3. Jahrhundert in Nikomedia in Kleinasien. Als sie die christliche Religion kennenlernte, ließ sie sich taufen. Ihr Vater war entsetzt, denn damals wurden Christen verfolgt. Weil es ihm nicht gelang, sie vom Christentum abzubringen, zeigte er seine Tochter an. Barbara wurde ins Gefängnis geworfen. Auf dem Wege dorthin verfing sich ein Kirschzweig in ihrem Kleid. Den stellte Barbara in ihrer Zelle ins Wasser. Am Tag, an dem sie zum Tode verurteilt wurde, blühte der Zweig auf.

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Bild Türchen: CC0 Creative Commons, freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis nötig (congerdesign/Pixabay)

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Adventskalender

Vom 1. Dezember bis zum Heiligen Abend kann die Zeit für Kinder lang werden. Was liegt da näher, als ungeduldigen Kindern die Vorfreude auf das Weihnachtsfest mit einem Kalender zu versüßen – einem, der für jeden Tag ein Türchen hat. Die Kinder lernen nicht nur, geduldig zu warten, sondern üben auch spielerisch, die Tage bis Weihnachten zu zählen. Das klingt typisch protestantisch, mag manch einer denken – und in der Tat: Protestanten erfanden den Adventskalender im 19. Jahrhundert. Eltern stellten die Kalender zunächst selbst her, indem sie zum Beispiel 24 Lebkuchen auf Pappe nähten. Gedruckte Adventskalender kamen Anfang des 20. Jahrhunderts auf, sie verbreiteten sich rasch. Heute ist die Vielfalt der Kalender kaum noch zu überblicken. Wem eine gerechte Entlohnung geleisteter Arbeit am Herzen liegt, dem bietet ein bio-fairer Adventskalender eine gute Alternative.

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© epd-bild / Lars Kaletta

Lebendiger Adventskalender

Ein richtiger Adventskalender besteht aus Karton, hat ein Türchen für jeden Tag mit einer Süßigkeit dahinter und hängt an der Zimmerwand. Seit den 1990er Jahren gibt es aber auch Kalender in ganz anderen Dimensionen, sogenannte lebendige Adventskalender. Was dort die Türchen, sind hier Häuser in einem Stadtteil, oder genauer: die Fenster. An jedem Abend wird bei diesem Kalender in einem anderen Haus ein Fenster erleuchtet, das bis Heiligabend geschmückt bleibt. Am jeweiligen Tag wird vor dem betreffenden Haus auch gerne gemeinsam gesungen, Andacht gefeiert und Glühwein getrunken.