„Es begab sich aber zu der Zeit, ...

... dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.“ Wohl jeder hat die Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas schon einmal gehört. Sie handelt von der Geburt Jesu, mit der vor zwei Jahrtausenden unsere Zeitrechnung begann. Was die Bibel über die Geburt im Stall zu Bethlehem berichtet – und ob es überhaupt Bethlehem war –, erläutert diese Grafik.

Von Volker A. Lehnert (Text) und Benedikt Grotjahn (Grafik)

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Engel

Engel

Engel erscheinen in der Bibel immer dann, wenn sich Himmel und Erde berühren, wenn Gott den Menschen nahekommt. Wenn’s wirklich wichtig wird, schickt er ihnen seine Boten – meist unübersehbar und ziemlich erschreckend. Deshalb beruhigt der Weihnachtsengel direkt: „Fürchtet euch nicht!“

stern von bethlehem

Stern

Der Stern ist ein uraltes Symbol für die Ankunft des Messias, des Retters. Der Messias wird ein König sein. Die Astrologen sprechen vom „neugeborenen König der Juden“. Der Messias relativiert den Machtanspruch der weltlichen Herrscher. Das bringt Herodes, den Statthalter Roms in der Region, in Rage und auf den Plan. Er wittert Machtverlust und organisiert sofort die Verfolgung. Totalitäre Regime ticken so – bis heute.

Rom

Rom

Die Römer beherrschen zur Zeit Jesu den gesamten Mittelmeerraum. Wer sich unterwirft und die Fremdherrschaft anerkennt, bekommt Schutz und Religionsfreiheit – so geht römischer Friede. Lediglich das Opfer für den göttlichen Kaiser muss dargebracht werden, um die römischen Götter wohlgesonnen zu halten. Für das jüdische Volk stehen der Kaiserkult und der römische Vielgötterglaube jedoch im Widerspruch zu ihrem Glauben an einen einzigen Gott. Der erwachsene Jesus wird als Wanderprediger die Herrschaft des Gottes Israels verkündigen und damit den römischen Machtanspruch ablehnen.

Bethlehem

Bethlehem

Bethlehem ist ein unbedeutendes Nest. Aber: David, legendärer König Israels, aus dessen Nachkommenschaft der Messias erwartet wird, stammte von dort. Entsprechend sagt der Prophet Micha: „Bethlehem, aus dir soll kommen, der in Israel Herr sei.“ Jesu Familie kommt aber aus Nazareth. In der Erzählung von der Volkszählung und dem Aufbruch Josefs und Marias nach Bethlehem werden realer Wohnort und prophetische Verheißung synchronisiert: So wird der Messias in Bethlehem, der Stadt Davids, geboren.

Esel

Ochse und Esel

Sie kommen in den Weihnachtsgeschichten der Bibel gar nicht vor. Erst die Kunstgeschichte fügt sie ein, weil es beim biblischen Propheten Jesaja heißt: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn.“ Kluge Tiere mit beinah kabarettistischen Zügen: Wenn schon sie erkennen, wer da in der Krippe liegt, um wie viel mehr müssten Menschen es tun!

Jesus

Jesus

Jesus wird in einem Stall geboren und in eine Krippe gelegt, einen Futtertrog fürs Vieh. So erzählt es das Weihnachtsevangelium nach Lukas. Der versteht die Geburt Jesu als Besuch Gottes auf Erden. Christen bekennen das bis heute und feiern es im Weihnachtsfest: In Jesus kommt Gott selbst als Mensch zur Welt. Aus dem Kind in der Krippe wird ein Zimmermann und schließlich ein Wanderprediger, der nicht nur von der Liebe Gottes erzählt, sondern sie auch lebt. Am Ende wird er zum Tod am Kreuz verurteilt und stirbt. Doch Gott weckt ihn von den Toten wieder auf. Aber das ist eine andere Geschichte – nämlich die von Ostern.

Maria

Maria

Ein Mädchen um die 15 Jahre, mit Josef verlobt und schwanger – aber nicht von ihm. Die Evangelisten Lukas und Matthäus erzählen, dass Maria jungfräulich war und die Zeugung ihres Kindes direkt durch Gottes Geist geschah. Dahinter steckt altorientalische Symbolik. So konnte einem ägyptischen Pharao-Kandidaten sein Amt nur dann übertragen werden, wenn er als ein von einer Frau geborener Mensch einen Gott zum Vater hatte. Nur dann kam ihm die Autorität des Herrschers zu. Die biblischen Erzähler nutzen dieses damals bekannte Motiv, um darzustellen, wer Jesus in ihren Augen ist: der Herr dieser Welt.

Josef

Josef

Josef muss annehmen, dass seine Verlobte von einem Anderen schwanger ist. Aber er hält zu ihr. Ganz großes Kino: Liebe, die sich in unbedingter Treue zeigt und selbst Beschämung erträgt. Der Zimmermann wird später für seine Familie sorgen und seinen Sohn Jesus zum Bauhandwerker ausbilden. Eine Patchworkfamilie der besonderen Art.

Hirten

Hirten

Sie sind die Außenseiter der damaligen Gesellschaft: nicht sonderlich angesehen und mit einem harten, mies bezahlten Job. Dass der Engel ausgerechnet ihnen die Geburt des Retters zuerst ankündigt, ist ein Clou der Erzählung. Hoffnung für die Hoffnungslosen: Das verbindet der Evangelist Lukas mit der Geburt im Stall. Die Botschaft trägt bis heute.

Herodes

Herodes

Der König in Judäa gilt als Freund und Bundesgenosse Roms. Das macht Herodes bei seinen Leuten verhasst. Der Glaube Israels ist allein Gott verpflichtet. Die römische Besatzung zur Zeit Jesu ist der Bevölkerung daher zuwider. Vom Messias erhofft man sich die Befreiung. Damit ist klar: Die Weihnachtsgeschichte steht in einem hochpolitischen Kontext. Es geht um Macht. Es geht darum, wer der wahre Herr ist: der Gott Israels, der in Jesus sein Volk besucht, und nicht der römische Kaiser.

Drei Könige

Drei Weise aus dem Morgenland

Die drei Reisenden aus dem Morgenland, Astrologen aus Persien oder Babylonien, sind den Hirten an der Krippe nie begegnet – sie stammen schlicht aus unterschiedlichen Texten der Bibel. Die Erzählung von den Astrologen erinnert an eine biblische Weissagung, nach der Heiden, also Nicht-Israeliten, zum erwarteten Retter des Volkes Israel ziehen werden. Der Prophet Jesaja spricht von Königen, und daher werden die Astrologen im Laufe der Zeit ebenfalls zu Königen – zu den Heiligen Drei Königen.

Gold

Gold, Weihrauch und Myrrhe

Es sind kostbare Geschenke, die die Astrologen dem neugeborenen Kind mitbringen. Denn, geleitet durch den Stern, erwarten sie, dass sie am Reiseziel auf einen König treffen. Und weil’s drei Geschenke sind, müssen es wohl drei Männer aus dem Morgenland sein.

Stall

Stall? Herbergsraum einer Karawanserei? Höhle? Was immer die Notschlafstelle für Maria und Josef war: Gemessen an der Würde des Gastes – Gott selbst kommt zur Welt – ist ein Stall als Herberge wirklich despektierlich. Doch Gott ist nicht wählerisch: Er macht sich klein.

Stall

Stall? Herbergsraum einer Karawanserei? Höhle? Was immer die Notschlafstelle für Maria und Josef war: Gemessen an der Würde des Gastes – Gott selbst kommt zur Welt – ist ein Stall als Herberge wirklich despektierlich. Doch Gott ist nicht wählerisch: Er macht sich klein.

Stall

Stall? Herbergsraum einer Karawanserei? Höhle? Was immer die Notschlafstelle für Maria und Josef war: Gemessen an der Würde des Gastes – Gott selbst kommt zur Welt – ist ein Stall als Herberge wirklich despektierlich. Doch Gott ist nicht wählerisch: Er macht sich klein.

Stall

Stall? Herbergsraum einer Karawanserei? Höhle? Was immer die Notschlafstelle für Maria und Josef war: Gemessen an der Würde des Gastes – Gott selbst kommt zur Welt – ist ein Stall als Herberge wirklich despektierlich. Doch Gott ist nicht wählerisch: Er macht sich klein.

Stall

Stall? Herbergsraum einer Karawanserei? Höhle? Was immer die Notschlafstelle für Maria und Josef war: Gemessen an der Würde des Gastes – Gott selbst kommt zur Welt – ist ein Stall als Herberge wirklich despektierlich. Doch Gott ist nicht wählerisch: Er macht sich klein.

„Es begab sich aber zu der Zeit, ...

... dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.“ Wohl jeder hat die Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas schon einmal gehört. Sie handelt von der Geburt Jesu, mit der vor zwei Jahrtausenden unsere Zeitrechnung begann. Was die Bibel über die Geburt im Stall zu Bethlehem berichtet – und ob es überhaupt Bethlehem war –, erläutert diese Grafik.

Von Volker A. Lehnert (Text) und Benedikt Grotjahn (Grafik)

Stern
Stern

Der Stern ist ein uraltes Symbol für die Ankunft des Messias, des Retters. Der Messias wird ein König sein. Die Astrologen sprechen vom „neugeborenen König der Juden“. Der Messias relativiert den Machtanspruch der weltlichen Herrscher. Das bringt Herodes, den Statthalter Roms in der Region, in Rage und auf den Plan. Er wittert Machtverlust und organisiert sofort die Verfolgung. Totalitäre Regime ticken so – bis heute.

Engel
Engel

Engel erscheinen in der Bibel immer dann, wenn sich Himmel und Erde berühren, wenn Gott den Menschen nahekommt. Wenn’s wirklich wichtig wird, schickt er ihnen seine Boten – meist unübersehbar und ziemlich erschreckend. Deshalb beruhigt der Weihnachtsengel direkt: „Fürchtet euch nicht!“

hirten
Hirten

Sie sind die Außenseiter der damaligen Gesellschaft: nicht sonderlich angesehen und mit einem harten, mies bezahlten Job. Dass der Engel ausgerechnet ihnen die Geburt des Retters zuerst ankündigt, ist ein Clou der Erzählung. Hoffnung für die Hoffnungslosen: Das verbindet der Evangelist Lukas mit der Geburt im Stall. Die Botschaft trägt bis heute.

Maria
Maria

Ein Mädchen um die 15 Jahre, mit Josef verlobt und schwanger – aber nicht von ihm. Die Evangelisten Lukas und Matthäus erzählen, dass Maria jungfräulich war und die Zeugung ihres Kindes direkt durch Gottes Geist geschah. Dahinter steckt altorientalische Symbolik. So konnte einem ägyptischen Pharao-Kandidaten sein Amt nur dann übertragen werden, wenn er als ein von einer Frau geborener Mensch einen Gott zum Vater hatte. Nur dann kam ihm die Autorität des Herrschers zu. Die biblischen Erzähler nutzen dieses damals bekannte Motiv, um darzustellen, wer Jesus in ihren Augen ist: der Herr dieser Welt.

Josef
Josef

Josef muss annehmen, dass seine Verlobte von einem Anderen schwanger ist. Aber er hält zu ihr. Ganz großes Kino: Liebe, die sich in unbedingter Treue zeigt und selbst Beschämung erträgt. Der Zimmermann wird später für seine Familie sorgen und seinen Sohn Jesus zum Bauhandwerker ausbilden. Eine Patchworkfamilie der besonderen Art.

Jesus
Jesus

Jesus wird in einem Stall geboren und in eine Krippe gelegt, einen Futtertrog fürs Vieh. So erzählt es das Weihnachtsevangelium nach Lukas. Der versteht die Geburt Jesu als Besuch Gottes auf Erden. Christen bekennen das bis heute und feiern es im Weihnachtsfest: In Jesus kommt Gott selbst als Mensch zur Welt. Aus dem Kind in der Krippe wird ein Zimmermann und schließlich ein Wanderprediger, der nicht nur von der Liebe Gottes erzählt, sondern sie auch lebt. Am Ende wird er zum Tod am Kreuz verurteilt und stirbt. Doch Gott weckt ihn von den Toten wieder auf. Aber das ist eine andere Geschichte – nämlich die von Ostern.

Ochse und Esel
Ochse und Esel

Sie kommen in den Weihnachtsgeschichten der Bibel gar nicht vor. Erst die Kunstgeschichte fügt sie ein, weil es beim biblischen Propheten Jesaja heißt: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn.“ Kluge Tiere mit beinah kabarettistischen Zügen: Wenn schon sie erkennen, wer da in der Krippe liegt, um wie viel mehr müssten Menschen es tun!

Drei Weise
Drei Weise aus dem Morgenland

Die drei Reisenden aus dem Morgenland, Astrologen aus Persien oder Babylonien, sind den Hirten an der Krippe nie begegnet – sie stammen schlicht aus unterschiedlichen Texten der Bibel. Die Erzählung von den Astrologen erinnert an eine biblische Weissagung, nach der Heiden, also Nicht-Israeliten, zum erwarteten Retter des Volkes Israel ziehen werden. Der Prophet Jesaja spricht von Königen, und daher werden die Astrologen im Laufe der Zeit ebenfalls zu Königen – zu den Heiligen Drei Königen.

Gold
Gold, Weihrauch und Myrre

Es sind kostbare Geschenke, die die Astrologen dem neugeborenen Kind mitbringen. Denn, geleitet durch den Stern, erwarten sie, dass sie am Reiseziel auf einen König treffen. Und weil’s drei Geschenke sind, müssen es wohl drei Männer aus dem Morgenland sein.

Roma
Rom

Die Römer beherrschen zur Zeit Jesu  den gesamten Mittelmeerraum. Wer sich unterwirft und die Fremdherrschaft anerkennt, bekommt Schutz und Religionsfreiheit – so geht römischer Friede. Lediglich das Opfer für den göttlichen Kaiser muss dargebracht werden, um die römischen Götter wohlgesonnen zu halten. Für das jüdische Volk stehen der Kaiserkult und der römische Vielgötterglaube jedoch im Widerspruch zu ihrem Glauben an einen einzigen Gott. Der erwachsene Jesus wird als Wanderprediger die Herrschaft des Gottes Israels verkündigen und damit den römischen Machtanspruch ablehnen.

Herodes
Herodes

Der König in Judäa gilt als Freund und Bundesgenosse Roms. Das macht Herodes bei seinen Leuten verhasst. Der Glaube Israels ist allein Gott verpflichtet. Die römische Besatzung zur Zeit Jesu ist der Bevölkerung daher zuwider. Vom Messias erhofft man sich die Befreiung. Damit ist klar: Die Weihnachtsgeschichte steht in einem hochpolitischen Kontext. Es geht um Macht. Es geht darum, wer der wahre Herr ist: der Gott Israels, der in Jesus sein Volk besucht, und nicht der römische Kaiser.

Bethlehem
Bethlehem

Bethlehem ist ein unbedeutendes Nest. Aber: David, legendärer König Israels, aus dessen Nachkommenschaft der Messias erwartet wird, stammte von dort. Entsprechend sagt der Prophet Micha: „Bethlehem, aus dir soll kommen, der in Israel Herr sei.“ Jesu Familie kommt aber aus Nazareth. In der Erzählung von der Volkszählung und dem Aufbruch Josefs und Marias nach Bethlehem werden realer Wohnort und prophetische Verheißung synchronisiert: So wird der Messias in Bethlehem, der Stadt Davids, geboren.

Stall
Stall

Stall? Herbergsraum einer Karawanserei? Höhle? Was immer die Notschlafstelle für Maria und Josef war: Gemessen an der Würde des Gastes – Gott selbst kommt zur Welt – ist ein Stall als Herberge wirklich despektierlich. Doch Gott ist nicht wählerisch: Er macht sich klein.

Adventskalender

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Bild von https://www.anderezeiten.de/

„Der Andere Advent“

Advent ist eine Zeit der Besinnung. Weil die immer mehr Menschen in der Hektik des Alltags aus den Augen verlieren, gibt es seit 1994 den alternativen Adventskalender „Der Andere Advent“. Vom 28. November bis 6. Januar lädt er in diesem Jahr mit Texten und Bildern dazu ein, für einige Minuten am Tag „den Blick auf den Advent zu verändern“, sagt Chefredakteur Dr. Frank Hofmann: „Denn oft zeigt sich aus einer neuen Sichtweise ein überraschendes Mehr im Alltäglichen.“ Am Nikolaustag erhalten die Leserinnen und Leser zudem ein Geschenk. Der Kalender ist auch in Blindenschrift erhältlich. Herausgegeben wird er vom ökumenischen Verein Andere Zeiten. Der Kalender kostet 8 Euro plus Versandkosten und ist über die Internetseite www.anderezeiten.de zu bestellen.

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CC0 Creative Commons, freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis nötig(kakuko/Pixabay)

Spekulatius

Wenn der Heilige Nikolaus gewusst hätte, dass sein Bild einmal in den Supermärkten unter einer Überfülle von Schoko-Nikoläusen und anderen Süßwaren zum Verkauf angeboten wird, dürfte ihm manch deutliche Fastenpredigt an die Nachgeboren in den Sinn gekommen sein. Weil er viele gute Dinge getan hat, haben die Menschen die Geschichte des Bischofs auf Teig geprägt und als Spekulatius zum Nikolaustag verschenkt und gegessen. Traditionell ziert deshalb ein Bild des Nikolaus das beliebte Gebäck. Die Bezeichnung „Spekulatius“ stammt vermutlich vom lateinischen Wort für „Abbild“ oder „Spiegel“ – „speculum“ – und wanderte als Bezeichnung für das Gebäck über das niederländische „Sepculaas“ ins Deutsche. Längst schmücken heute auch andere Motive dieses Backwerk, mit denen die Supermarktketten Jahr für Jahr die Adventszeit einläuten, wenn Grillgeräte und Gartenfeste noch spätsommerliche Stimmung verbreiten.

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Bild Türchen: © akg-images / Erich Lessing

akg-images / Erich Lessing – Nutzungsdauer 1 Monat

„Tochter Zion“

Manch verschlungene Wege legt ein Lied zurück, bis es in der Kirche gesungen wird. Das adventliche „Tochter Zion“ ist dafür ein Beispiel. Hier zündete zuerst die mitreißende Musik Georg Friedrich Händels, erst viel später folgte der geistliche Text. Der in Großbritannien zu Ruhm und Ehren gelangte Zeitgenosse Johann Sebastian Bachs verwertete seine Melodie gleich mehrfach, so auch in seinem Werk über den jüdischen Freiheitskämpfer Judas Maccabäus aus dem Jahr 1751. Es wurde zum musikalischen Hymnus auf einen Sieg der britischen Krone im Kampf gegen die Jakobiten 1746. Noch heute sind Spuren davon in der auch hierzulande beliebten „Last Night of the Proms“ zu hören. In Deutschland wurde das Oratorium erst 40 Jahre später aufgeführt, die Melodie verbreitete sich seither auch hier rasch. Das bekannte Adventslied entstand jedoch erst in den 1820er Jahren, wurde dann allerdings äußerst populär und fand später durch Thomas Manns Buddenbrocks sogar Eingang in die Literatur. Der Theologe Friedrich Heinrich Ranke hatte den Text auf Händels Melodie in Anlehnung an einen Satz des Propheten Sacharja geschrieben: „Du Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, Jauchze!“

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CC0 Creative Commons, freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis nötig (StruffelProductions/Pixabay)

„White Christmas“

Einen Riesenerfolg feierte der amerikanische Sänger Bing Crosby mit dem Lied „White Christmas“. Zwischen 1942 und 1962 stand es immer mal wieder auf Platz 1 der US-Charts. Das Lied über die Sehnsucht nach einer weißen Weihnacht traf im Zweiten Weltkrieg und danach den Nerv von Millionen amerikanischer Soldaten, die im Ausland stationiert waren. In den Armeeradios wurde das Lied zur Weihnachtszeit rund um die Uhr gespielt und das Pentagon packte schließlich sogar jedem Soldaten eine Schallplatte ins Carepaket. Bis heute ist die Crosby-Version das erfolgreichste Lied aller Zeiten. 50 Millionen Singles wurden laut Guinness Buch der Rekorde von dieser Aufnahme verkauft.

 

White Christmas zum Mitsingen

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© st-fotograf – Fotolia.com

Hexenhäuschen

In vielen Familien gehören Hexenhäuschen aus Lebkuchen, Zuckerguss und Süßigkeiten zur Adventszeit. Was aber hat ein Hexenhäuschen überhaupt mit Advent zu tun? Ein religiöser Sinn steckt wohl nicht hinter diesem Brauch, er hat eher mit dem bürgerlich besinnlichen Fest zu tun, zu dem sich die Weihnachtszeit im 19. Jahrhundert entwickelte. Die Familien sangen am adventlich geschmückten Wohnzimmertisch Lieder und lauschten Geschichten und Märchen. In diese Stimmung hinein kam Ende des 19. Jahrhunderts Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ gerade recht, die so zur Weihnachtsoper schlechthin wurde und das Hexenhäuschen in die Stuben brachte. Wer es lieber literarisch mag, kann sich auf ein Gedicht von Hans Sachs berufen, sofern das Hexenhäuschen als Knusperhäuschen an das Schlaraffenland erinnert. Das lag für den Nürnberger Schuhmacher, Dichter und Meistersinger „drei Meilen hinter Weihnachten“. Wer sich auf den Weg in diese paradiesische Landschaft macht, „der muss sich großer Ding vermessen und durch ein Berg mit Hirsbrei essen, der ist wohl dreier Meilen dick.“

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© epd-bild / Wolfgang Schmidt

„Es kommt ein Schiff geladen“

Eines der ältesten deutschen Adventslieder ist „Es kommt ein Schiff geladen“. Der Mystiker Johannes Tauler soll es geschrieben haben. Er lebte im 14. Jahrhundert in Straßburg. Andere Quellen sagen, das Lied stamme aus dem 15. Jahrhundert. In der mittelalterlichen Symbolik steht das Schiff für die schwangere Maria, die Gottes Sohn in die Welt trägt. Der evangelische Pfarrer Daniel Sundermann druckte den Text 1626 in seinem „Straßburger Gesangbuch“ ab. Dabei gab er dem ursprünglichen Marienlied seinen heutigen weihnachtlichen Bezug. Er dichtete drei Strophen über Christi Geburt in Bethlehem hinzu.

Es kommt ein Schiff geladen zum Mitsingen

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CC0 Creative Commons, freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis nötig (domeckopol/pixabay)

Nüsse

Warum Nüsse in die Adventszeit gehören, hat Knecht Ruprecht dem Dichter Theodor Storm mitgeteilt: „Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern essen fromme Kinder gern“, sagt der Gehilfe des Nikolaus. Mit Früchten und Naschwerk weckt er deshalb die Vorfreude auf die Ankunft des Christkinds: „Morgen sollt ihr was Besseres haben. Dann kommt mit seinem Kerzenschein Christkindlein selber zu euch herein.“ Storm hat mit seinem „Knecht Ruprecht“ die Nüsse fest ins adventliche Gedächtnis ganzer Generationen geschrieben. Nüsse sind seit Jahrhunderten Bestandteil der Advents- und Weihnachtszeit und haben auch Eingang in die christliche Symbolik gefunden. Das gilt besonders für die Walnuss. Der Kirchenvater Augustin bezeichnet ihre harte Schale als ein Zeichen für das Kreuz Christi und der nahrhafte Kern ist Sinnbild für den Auferstandenen. Auch bei einem Zeitsprung ins 11. Jahrhundert ist das Bild noch lebendig. Adam von St. Viktor, der Kantor an Notre Dame in Paris, vergleicht in einer Weihnachtsmesse Christus mit einer Nuss. Heute liegen Nüsse zwar immer noch auf Advents- und Weihnachtstellern, ihre christliche Symbolik ist jedoch längst verblasst.

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So geht Weihnachten

© schulzfoto – Fotolia.com

Der Geburtstag Jesu

Auf dem Tisch steht Gänsebraten, es gibt guten Wein und viele Geschenke liegen unterm Weihnachtsbaum. So wird heute vielerorts Heiligabend gefeiert, die Geburt Jesu. Die fand allerdings in einem wenig festlichen Ambiente statt. In einem Stall bei Bethlehem brachte Maria das Kind zur Welt, erzählt die Bibel – zur Zeit des römischen Kaisers Augustus. Präziser wird sie nicht. Seit dem 4. Jahrhundert wird in der christlichen Kirche des Westens Jesu Geburtstag am 25. Dezember, dem Tag der Wintersonnenwende, gefeiert. Mit der Reformation verlagert sich der Beginn des Weihnachtsfestes vom 25. auf den 24. Dezember, der bis dahin als Vortag auf das Fest hinführte. Ein wesentlicher Grund dürfte die Sorge um eine sichere Rückkehr von den nächtlichen Gottesdiensten gewesen sein. So wanderten die Weihnachtsgottesdienste immer weiter in diesen Vortag hinein, der dann als Heiliger Abend zum weihnachtlichen Hauptereignis wurde und es im öffentlichen Ansehen bis heute geblieben ist. Doch ist Jesus nun wirklich in der Heiligen Nacht vom 24. auf den 25. Dezember geboren? Wissenschaftlich ist das nicht zu belegen, genaueres lässt sich nicht sagen, die Forschung geht davon aus, dass Jesus irgendwann zwischen den Jahren 4 und 7 vor unserer Zeitrechnung geboren wurde.

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Kinder

© epd-bild / Andrea Enderlein

Adventskranz

Es begann mit einem hölzernen Wagenrad, auf dem vier große weiße Kerzen und 20 kleine rote Lichter befestigt waren. Der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern ließ es am 1. Advent 1839 in seinem Heim für Straßenkinder, dem Rauhen Haus in Hamburg, aufhängen. Das Rad mit den Kerzen sollte das Warten auf Weihnachten verkürzen. Für jeden Wochentag bis Weihnachten wurde eine rote Kerze angezündet, an jedem Adventssonntag eine weiße. So sollte es Tag für Tag bis zum Fest der Geburt Jesu, den die Bibel das Licht der Welt nennt, ein wenig heller und wärmer werden in der Welt der Kinder. Später, ab 1860, schmückte man den hölzernen Kranz zusätzlich mit Tannengrün als Zeichen der Hoffnung und des Lebens. Heute gehört der Adventskranz fest zur Vorweihnachtszeit. Es gibt ihn in allen Farben und Dekors – aber nur noch mit den vier Sonntags-Kerzen. Im Rauhen Haus und im Hamburger Michel jedoch wird auch heute noch der große Adventskranz mit seinen vielen Kerzen angebracht.

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So geht Weihnachten

© epd-bild / Thomas Lohnes

Bethlehem

Bethlehem ist die Geburtsstadt Jesu Christi. Dass er hier, nahe Jerusalem, zur Welt kam, ist Folge einer Steuerschätzung, für die sich jedes männliche Familienoberhaupt in die Stadt seiner familiären Wurzeln begeben musste – eine gewaltige Wanderbewegung war die Folge. Als ein Nachfahre des Königs David hatte Josef, der Vater Jesu, sich mit seiner Frau nach Bethlehem aufzumachen. Einen mühsamen Marsch von rund 150 Kilometern dürften Jesu Eltern vom ihrem Wohnort in Nazareth zur Stadt Davids zurückgelegt haben. Der Geburtsort ist zugleich ein erster Hinweis auf das, was Christinnen und Christen über Jesus sagen: Dass er der Messias ist, der Gesalbte, oder, griechisch, der Christus. Denn ein Nachkomme des David, geboren in seiner Stadt, werde als dieser Messias erscheinen, lautete die Hoffnung in Israel: „Du Bethlehem-Efrat, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist“, heißt es beim Propheten Micha. An den Ort der Geburt erinnert seit dem 4. Jahrhundert eine Kirche. Dort wird seit einigen Jahren im Dezember das „Friedenslicht von Bethlehem“ entzündet und als Lichterstafette an viele Orte auch in Deutschland weitergegeben.

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© epd-bild / Friedrich Stark

Weihnachtsmärkte

In der Vorweihnachtszeit geben Menschen eher Geld für schöne Dinge aus als zu anderen Zeiten im Jahr. Das wussten schon die Händler im Mittelalter und baten um Erlaubnis, im Advent in der Nähe einer Kirche Spielzeug und Backwerk feilzubieten. Sie durften, und so entstanden die Vorläufer der Weihnachtsmärkte. Seit dem 17. Jahrhundert breiteten sich diese Märkte aus, zunächst in protestantischen, später auch in katholischen Gegenden. Heute erfreuen sie sich allgemeiner Beliebtheit – trotz Popmusik, Glühwein und Gedränge. Oder gerade deshalb. Der Nürnberger Christkindlesmarkt ist einer der bekanntesten weltweit. Den größten Zulauf in Deutschland hat aber der Kölner Weihnachtsmarkt. Es soll sich zugleich um den ältesten im Rheinland handeln, 1820 wird er erstmals erwähnt.

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Bild Türchen: © epd-bild/Debbie Hill

© epd-bild/Debbie Hill

Engel

Die Geschichte des Jesus Christus beginnt mit einem Engel. Gabriel heißt er und er verheißt der Maria, dass sie einen Sohn gebären wird. Die ist zutiefst verstört von der Erscheinung, die sie in ihrem Alltag aufschreckt. Dem Befund der Schwangerschaft begegnet sie dagegen mit einem sachlichen Einwand: Wie soll das gehen, da ich doch mit keinem Mann geschlafen habe? Die Antwort des Engels ist als „Jungfrauengeburt“ in die Geschichte eingegangen und lautet in der Übersetzung Martin Luthers: „Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“ In der Kunstgeschichte wird Gabriel wie andere Engel auch mit Flügeln dargestellt. Davon steht in der Bibel allerdings nichts. Engel sind in der Bibel schlicht Boten Gottes. Häufig erkennen Menschen erst im Nachhinein, wer ihren Lebensweg gekreuzt hat. „Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand, oder er wohnt neben dir, Wand an Wand, der Engel“, heißt es in Rudolf Otto Wiemers Weihnachtslied „Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein (Engel)“. „Dem Kranken hat er das Bett gemacht, und er hört, wenn du ihn rufst, in der Nacht, der Engel.“ In der Heiligen Nacht verkündet ebenfalls ein Engel die frohe Botschaft von der Geburt des Sohnes Gottes: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird: denn euch ist heut der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“

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© epd-bild/Judith Michaelis

Nikolaus

Wo wohnt eigentlich der Nikolaus? Am Nordpol bei den Rentieren, hohoho! Nein, das ist der Weihnachtsmann, den die US-amerikanische Werbebranche populär gemacht hat. Der Nikolaus wohnt im Saarland, in dem kleinen Dorf St. Nikolaus an der deutsch-französischen Grenze – wenn man seinen rund 800 Einwohnerinnen und Einwohnern glauben darf. Dort hat er auch sein Postamt. Jedes Jahr in der Adventszeit beantwortet es tausende Briefe, die Kinder aus aller Welt geschrieben haben. Der richtige Nikolaus trägt eine Bischofsmütze, einen violetten Umhang sowie den Bischofsstab und reitet auf einem Pferd. Jedes Jahr am 5. und 6. Dezember beschert er beim traditionellen Umzug im saarländischen St. Nikolaus die Kinder mit einer Tüte Süßigkeiten. Vorbild für St. Nikolaus ist vermutlich Bischof Nikolaus von Myra, der im 4. Jahrhundert im kleinasiatischen Lykien lebte – heute ein Teil der Türkei. Der Legende nach half er den Armen und kümmerte sich besonders um die Kinder. Da er an einem 6. Dezember gestorben sein soll, feiern wir heute den 6. Dezember als Nikolaustag. Der Brauch der Nikolausbescherung entstand im Mittelalter. Der Siegeszug des Weihnachtsmanns begann dagegen erst im 19. Jahrhundert, als sich Weihnachten zu dem Familienfest entwickelte, wie wir es heute kennen. Die Postadresse des Heiligen Nikolaus lautet: An den Nikolaus, 66351 St. Nikolaus. Er beantwortet nur Briefe, keine E-Mails oder SMS. Aber er hat immerhin eine Internet-Adresse: sankt-nikolaus-warndt.de

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© epd-bild / Jörg Decker

Wunschzettel

Ein Wunschzettel gehört zur Adventszeit wie die Schokolade zum Adventskalender. Bis ins 19. Jahrhundert hinein schrieben Kinder allerdings nicht dem Christkind, sondern ihren Eltern. Sie notierten auch keine Geschenkwünsche, sondern wünschten Vater und Mutter Gottes Segen und bedankten sich bei ihnen für all die Fürsorge. Ganz nebenbei kontrollierten die Eltern dabei die Schreibkünste ihrer Kinder. Der heute bekannte Wunschzettel ist nach Erkenntnissen des ehemaligen Direktors des Altonaer Museums, Torkild Hinrichsen, eine Marketing-Idee der Spielwarenindustrie. Die verbreiteten Listen, in denen die Kinder ihre Wünsche nur noch bequem anzukreuzen brauchten. Besinnlicher ist es dagegen, dem Christkind persönlich einen Brief zu schreiben. Es hat in der Adventszeit dafür sogar eigens Postämter geöffnet. Eins befindet sich im bergischen Engelskirchen. Mehr als 130.000 Briefe gehen hier pro Saison ein. Auf dem Christkindmarkt in Engelskirchen ist die Post ebenfalls mit einer Filiale vertreten, in diesem Jahr vom 11. bis 13. Dezember. Auch das zeichnet die christkindliche Postzentrale Engelskirchen aus: Im Rathaus steht in diesem Jahr zum sechsten Mal ein Wunschengel, an dem bedürftige Kinder einen Wunschzettel anbringen können. Wer über die Mittel verfügt, ist gebeten, sie zu erfüllen.

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© epd-bild/Matthias Rietschel

„Alle Jahre wieder“

Johann Wilhelm Hey war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein bekannter Dichter. Vor allem seine Fabeln wurden gern gelesen und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Auch mit seinen Liedern war Hey erfolgreich. Aus seiner Feder stammen so bekannte wie „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ oder „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“. Im Hauptberuf war Hey Pfarrer. Er gründete eine Hilfskasse für Handwerker und ein Heim für Kinder arbeitender Mütter. Christlicher Glaube musste für ihn praktisch werden. Sein Engagement brachte ihm hohe Ehren ein, auch akademische. Heute kennt kaum noch jemand seinen Namen. Doch einige seiner Lieder sind nach wie vor beliebt, dazu gehört auch das adventliche „Alle Jahre wieder“.

Alle Jahre wieder zum Mitsingen

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© PhotoSG – Fotolia.com

Barbaratag (4. Dezember)

Am 4. Dezember der Tag der Heiligen Barbara. So sagt es der katholische Heiligenkalender. Zweige, die an diesem Tag von Obstbäumen abgeschnitten und ins warme Wasser gestellt werden, erblühen an Heiligabend. Die blühenden Barbarazweige mitten im Winter symbolisieren das Wunder der Heiligen Nacht. Der Brauch geht zurück auf die Legende von der heiligen Barbara. Die Tochter eines reichen Kaufmanns lebte im 3. Jahrhundert in Nikomedia in Kleinasien. Als sie die christliche Religion kennenlernte, ließ sie sich taufen. Ihr Vater war entsetzt, denn damals wurden Christen verfolgt. Weil es ihm nicht gelang, sie vom Christentum abzubringen, zeigte er seine Tochter an. Barbara wurde ins Gefängnis geworfen. Auf dem Wege dorthin verfing sich ein Kirschzweig in ihrem Kleid. Den stellte Barbara in ihrer Zelle ins Wasser. Am Tag, an dem sie zum Tode verurteilt wurde, blühte der Zweig auf.

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Bild Türchen: CC0 Creative Commons, freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis nötig (congerdesign/Pixabay)

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Adventskalender

Vom 1. Dezember bis zum Heiligen Abend kann die Zeit für Kinder lang werden. Was liegt da näher, als ungeduldigen Kindern die Vorfreude auf das Weihnachtsfest mit einem Kalender zu versüßen – einem, der für jeden Tag ein Türchen hat. Die Kinder lernen nicht nur, geduldig zu warten, sondern üben auch spielerisch, die Tage bis Weihnachten zu zählen. Das klingt typisch protestantisch, mag manch einer denken – und in der Tat: Protestanten erfanden den Adventskalender im 19. Jahrhundert. Eltern stellten die Kalender zunächst selbst her, indem sie zum Beispiel 24 Lebkuchen auf Pappe nähten. Gedruckte Adventskalender kamen Anfang des 20. Jahrhunderts auf, sie verbreiteten sich rasch. Heute ist die Vielfalt der Kalender kaum noch zu überblicken. Wem eine gerechte Entlohnung geleisteter Arbeit am Herzen liegt, dem bietet ein bio-fairer Adventskalender eine gute Alternative.

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© epd-bild / Hanno Gutmann

Herrnhuter Stern

Herrnhuter Sterne zieren in der Adventszeit mit ihren langen Strahlen Fenster, Adventsbasare und Weihnachtsmärkte. Entstanden sind sie vor mehr als 160 Jahren in den Internaten der Herrnhuter Brüdergemeine, einer Freikirche, die auf einem Gut des Grafen von Zinzendorf in der Oberlausitz entstanden war. Um ihr geometrisches Verständnis anzuregen, sollten die Internatskinder im Mathematikunterricht Sterne aus verschiedenen geometrischen Formen bauen. Der Versuch war derart erfolgreich, dass neben der Mathematik auch der Basteltrieb der Kinder geweckt wurde und sie so etwas gegen das Heimweh nach ihren Eltern tun konnten. Heute stellt die Herrnhuter Brüdergemeine die Sterne in einer eigenen Firma her. Wer geschickt ist, kann einen Stern auch selber basteln, Bauanleitungen sind im Internet hier abrufbar.

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So geht Weihnachten

© epd-bild/Wolfgang Schmidt

Nussknacker

Das Erzgebirge hat der Advents- und Weihnachtszeit manch schönen Gegenstand beschert. Ob Pyramiden, Räuchermännchen, Lichterbögen oder den Nussknacker – die kunstvollen Produkte verschönern seit Anfang des 19. Jahrhunderts die adventlich geschmückten Wohnungen. Für die Menschen im Erzgebirge öffnete das Interesse an ihren gedrechselten und geschnitzten Figuren eine dringend benötigte neue Erwerbsquelle: Nach dem Ende des Bergbaus fanden sie Arbeit in den zahlreichen Handwerksbetrieben. Die Gestalt des Nussknackers hat der Weihnachtszeit aber auch eine musikalische Attraktion beschert: Das Ballett von Peter Tschaikowski rund um einen märchenhaften Nussknacker gehört zum festen Programm zahlreicher Theaterhäuser in der Adventszeit.

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So geht Weihnachten

CC0 Creative Commons, freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis nötig (jplenio/Pixabay)

„Macht hoch die Tür“

Lieder können Herzen und Hände bewegen. „Macht hoch die Tür“, das erste Lied im Evangelischen Gesangbuch, ist ein Beispiel dafür. Die Geschichte ist im Advent des Jahres 1623 in Königsberg geschehen und handelt von einem wohlhabenden Kaufmann, der sein Anwesen mit einem starken Zaun umgeben hatte, um unliebsame Gäste abzuwehren. Es kümmerte ihn nicht, dass er damit auch einen Weg zusperrte, auf dem die Bewohner eines Siechenhauses bislang in die Stadt gelangt waren. Ratsherren und Kirchenobere protestierten, trafen jedoch nur auf taube Ohren. Bis der evangelische Pfarrer Georg Weissel mit seinem Kirchenchor und den Bewohnern des Siechenhauses vor das Eingangstor des Anwesens zog und ein Lied anstimmte, das er einige Zeit zuvor auf Grundlage des 24. Psalms gedichtet hatte: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. Kaum war der stimmgewaltige Gesang verklungen, öffnete der Kaufmann den Durchgang zur Stadt und hat ihn nie wieder verschlossen.

 

Macht hoch die Tür zum Mitsingen

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So geht Weihnachten

Holger Uwe Schmitt/Wikimedia

„Stille Nacht“

Ärgerlich ist es, wenn kurz vor Weihnachten die Orgel in der Kirche kaputtgeht. So erging es der Gemeinde von Oberndorf im Salzburger Land anno 1818. Ein Lied musste her, das auch auf einem anderen Instrument begleitet werden konnte. Hilfspfarrer Joseph Mohr kramte ein Gedicht hervor, das er bereits zwei Jahre zuvor geschrieben hatte. Der Organist und Dorfschullehrer Franz Xaver Gruber komponierte dazu eine Melodie. An Heiligabend wurde ihr Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ in der kleinen Dorfkapelle uraufgeführt – und begeistert aufgenommen. Ohne es zu ahnen, hatten die beiden das heute bekannteste Weihnachtslied geschaffen. Meistens erklingt es nun mit Orgelbegleitung in Weihnachtsgottesdiensten. Joseph Mohr aber spielte es an Heiligabend 1818 auf der Gitarre.

Stille Nacht zum Mitsingen

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CC0 Creative Commons, freie kommerzielle Nutzung, kein Bildnachweis nötig (lenalindell20/Pixabay)

„Last Christmas“

Wer in der Vorweihnachtszeit das Radio einschaltet, wird eher früher als später den Song „Last Christmas“ von Wham! aus dem Jahr 1984 hören. Für die einen ist es unerträglicher Kitsch, für die anderen – meist Kinder der Achtzigerjahre – ist es ein Lied, das zu Weihnachten gehört wie die Kugeln zum Tannenbaum. Alle Jahre wieder landet der ewige Hit über eine verflossene Liebe in den deutschen Charts.

 

Last Christmas zum Mitsingen

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So geht Weihnachten

Bild Türchen: © epd-bild / Rolf Zöllner

© epd-bild / Rolf Zöllner

Luciafest

Lucia stammt der Überlieferung nach aus Sizilien und wurde vermutlich im 4. Jahrhundert Opfer einer Christenverfolgung. Im Heiligenkalender ist der 13. Dezember ihr Gedenktag. Vor allem in Schweden hat sich an diesem Tag ein lichterfrohes Fest um ihre Person entwickelt, wobei religiöse Spuren nicht mehr auszumachen sind. Mit Lichterkranz auf dem Kopf und weißem Kleid prägen junge Frauen das Bild des Tages. In den Familien sind es traditionell die ältesten Töchter, die das Lucia-Gewand tragen und ihr Haupt mit Licht – heute zumeist elektrisch – bekränzen. Sie führen die Lichterprozessionen an, die an diesem Tag durch die Straßen ziehen. Die Feiern am Luciafest beginnen morgens in den Familien und erstrecken sich bis in den Abend.

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So geht Weihnachten

© epd-bild / Lars Kaletta

Lebendiger Adventskalender

Ein richtiger Adventskalender besteht aus Karton, hat ein Türchen für jeden Tag mit einer Süßigkeit dahinter und hängt an der Zimmerwand. Seit den 1990er Jahren gibt es aber auch Kalender in ganz anderen Dimensionen, sogenannte lebendige Adventskalender. Was dort die Türchen, sind hier Häuser in einem Stadtteil, oder genauer: die Fenster. An jedem Abend wird bei diesem Kalender in einem anderen Haus ein Fenster erleuchtet, das bis Heiligabend geschmückt bleibt. Am jeweiligen Tag wird vor dem betreffenden Haus auch gerne gemeinsam gesungen, Andacht gefeiert und Glühwein getrunken.

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So geht Weihnachten

© epd-bild/Rolf Zoellner

Weihnukka

An Chanukka feiern jüdische Familien das Lichterwunder, das sich bei der Wiedereinweihung des zweiten Jerusalemer Tempels im Jahr 164 vor Christus ereignete: Acht Tage lang brannte der siebenarmige Leuchter, obwohl Öl für nur einen Tag vorhanden war. Was aber, bitte schön, ist Weihnukka? Das Jüdische Museum Berlin gibt Auskunft: „Wenn die christlich dominierte Mehrheitskultur alljährlich in weihnachtliche Stimmung verfällt, beginnt für viele Juden ein Konflikt, der in den USA mit dem Begriff ,December Dilemma’ bezeichnet wird.“ Sie lösen dieses Dilemma, indem sie Tannenbaum und Chanukka-Leuchter zusammenbringen. Die Bezeichnung „Weihnukka“ hat dabei durchaus einen ironischen Unterton, sie kam auf, als Familien assimilierter deutscher Juden im 19. Jahrhundert ihre Wohnzimmer mit einem Tannenbaum schmückten. Ob jemand eher ein Weihnachtstyp ist oder ein Chanukkatyp, verrät ein Quiz auf der Internetseite des Jüdischen Museums Berlin: www.jmberlin.de/weihnukka/

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